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VERMITTLUNG ETHISCHER WERTE UND SPRACHKOMPETENZ DURCH MÄRCHEN

Weihnachtszeit ist Märchenzeit! Darum brachte Märchenland – Deutsches Zentrum für Märchenkultur die Märchen dieser Erde nach Dresden. Unterstützt vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Bernd Neumann, öffnete die Sächsische Staatskanzlei vom 01. bis 10. Dezember 2010 ihre Türen für Dresdner Kinder!

Mit dem Modell-Projekt zur „Vermittlung ethischer Werte und Sprachkompetenz durch Märchen“ boten wir den 4. bis 6. Schulklassen aus Dresden und Umgebung die Möglichkeit kostenfrei „Märchenstunden“ zu erleben und fremde Welten kennen zu lernen. Denn Märchen sind Teil des Deutschunterrichts. Sie sensibilisieren, emotionalisieren und fördern die Auseinandersetzung mit Themen wie Religion, Rechtsradikalismus und Migration.

Verstärkt wurde die Riege der MärchenerzählerInnen durch prominente Dresdner Persönlichkeiten. Der Beauftragte der Evangelischen Kirchen beim Freistaat Sachsen, Oberkirchenrat Christoph Seele, der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen, Frank Richter, und die Mitarbeiterin des Sächsischen Ausländerbeauftragten, Hang Than Phung, erzählten themenbezogene Märchen und diskutierten mit den SchülerInnen über eigene Erlebnisse, Ängste und Lösungen für ein friedliches Miteinander.

Zur bleibenden Erinnerung, zum Selberlesen und Vorlesenlassen durfte jedes Kind nach den Veranstaltungen ein Märchenbuch mit nach Hause nehmen.

ONLINE-TAGEBUCH

10.12. | 11.00 Uhr

Pit Pikus und die Möwe Leila
Atemberaubende Stille herrschte, als die Schauspielerin Marlies Ludwig die bewegende Geschichte von Friedrich Wolf erzählte: Als die weiße Möwe Leila verletzt und erschöpft auf den Waldboden sinkt, drohen ihr die Spechte mit dem Tode, nur weil sie so anders aussieht. Der kleine, schwarz gefiederte Specht Pit Pikus rettet sie aber und beide verlieben sich in einander. Doch sie können weder bei ihrer, noch bei seiner Familie leben, weil diese die jeweils andere Art und ihre Fähigkeiten mit Verachtung strafen. Fortan lebten sie zwischen zwei Welten – am Waldesrand nahe der Küste. Als eine weise Hexe Pit Pikus drei weiße Federn und Leila drei schwarze Federn an den Flügeln befestigt, übernehmen die beiden das Können und Wissen des anderen – und so sind sie mit ihren Kindern die einzigen, die die kommende Sturm- und Feuerkatastrophe unbeschadet überstehen. Die SchülerInnen des Gymnasiums Klotzsche waren sich einig: „Wenn man zusammenhält, kann man alles schaffen. Da ist es egal, wie man aussieht oder woher man kommt.“ Bei allen Unterschieden, die die Menschen ausmachen, soll man nicht nur das Trennende sehen, sondern auch die Vorteile der Vielfalt.

 


Zuhörer

10.12. | 9.00 Uhr

Du bist nicht mehr mein Sohn!
Die Sechstklässler der 101. Mittelschule Dresden staunten nicht schlecht über die wundersamen Dinge, von denen ihnen der Märchenerzähler Jeronimo berichtete. Da wurden Menschen aus ihrer Heimat vertrieben, Söhne verstoßen, Familien auseinander gerissen – und diese Dinge geschahen nicht etwa weit, weit weg. Neben Märchen aus Litauen und der Schweiz sowie der Bibelgeschichte um die Vertreibung der Israeliten aus Ägypten war auch ein Märchen in Deutschland zu Hause: „Die drei Sprachen“ erzählt von einem Jüngling, der die Sprache der Hunde, der Frösche und der Vögel erlernt und zur Strafe von seinem Vater fortgejagt wird, weil er für viel Geld so etwas Nutzloses gelernt hätte. Doch ist es im Leben oft sehr hilfreich, andere zu verstehen – und so machte der Junge dank seiner Fähigkeiten sein Glück. Eifrig diskutierten die Kinder danach, wie wichtig es ist Fremdsprachen zu lernen, damit man vor dem scheinbar Fremden die Furcht verliert und eine Grundlage für gegenseitiges Verständnis hat; wie es ist von seiner Heimat fortzugehen und wiederzukommen; und darüber, dass Eltern ihre Kinder stets unterstützen und ihnen Halt geben sollten.

 

 

Jeronimo

9.12. | 11.00 Uhr

Ich verbanne Dich aus meinem Königreich!
Heute Mittag unternahm der Märchen- und Geschichtenerzähler Uwe Günzel, alias Jeronimo, eine märchenhafte Reise durch Europa. Mit den Schülern und Schülerinnen der 80. Grundschule Dresden und des Gymnasiums Klotzsche reiste er erst in den Norden nach Dänemark und Litauen und kam nach einem Abstecher über Albanien zurück nach Deutschland. Die Märchen, die er auf seinem Wege erzählte, handelten von alten Königreichen, in denen die Verbannung noch an der Tagesordnung war. So mussten die vertriebenen Bauern, Prinzen und Kaufleute in der Fremde ihr Glück versuchen. „Es ist schwierig Brücken über Flüsse und Schluchten zu bauen, doch noch viel schwieriger ist es, Brücken zwischen den Menschen zu schaffen“, so der Künstler. „Doch die Märchen machen es möglich.“ Und so fanden stets diejenigen ihr Glück und eine neue Heimat, die ihre Fähigkeiten für das Wohl der Gemeinschaft einsetzten und sich aus der Isolation des Fremdseins lösten.

 


Jeronimo

9.12. | 9.00 Uhr

Der gestreifte Kater und die Schwalbe Sinha
Die Schauspielerin Marlies Ludwig brachte mit dem Märchen vom „Gestreiften Kater und der Schwalbe Sinha“ brasilianische Eindrücke nach Dresden. Die zauberhafte Liebesgeschichte handelt von gesellschaftlichen Zwängen und der Angst vor dem Andersartigen. Es war eine Romeo-und-Julia-Geschichte der Tiere, wie die Kinder der 76. Mittelschule gleich bemerkten, in der Schwalben und Katzen seit Anbeginn der Zeit verfeindet waren und Sinha und ihr Kater nicht zusammenkommen durften, weil ihre Familie es verbot. Obwohl die Liebe den grimmigen Kater in ein zahmes Kätzchen verwandelte, durfte es nicht sein – und so nahm das Leben des Katers ein tragisches Ende. Es ist offensichtlich nicht einfach, wenn fremde Kulturen aufeinander treffen, so das symbolische Fazit. Man müsse gut und gründlich darüber nachdenken, wie man die Kulturen zusammenbringt und die Welt in Zukunft so gestaltet, dass die Menschen über die Unterschiede hinwegsehen und die Besonderheiten erkennen.

 

 

Marlies Ludwig

8.12. | 11.00 Uhr – Auftakt des Themenschwerpunkts „Migration“

Märchen von Fern- und Heimweh
Die Mitarbeiterin des Sächsischen Ausländerbeauftragten Hang Than Phung brachte zum Auftakt des Themenschwerpunkts Migration Märchen aus ihrer Heimat mit und erzählte die vietnamesischen Geschichten „Wie der Tiger zu seinen Streifen kam“, von der „Wassermelone“ sowie das Zigeunermärchen „Wie die Geige entstand“. Ganz begierig erfragten die 60 Dresdner Schülerinnen und Schüler, wo Hang Than Phung herkäme, seit wann sie ein Deutschland wäre und konnten dann auch einige Worte auf Vietnamesisch erhaschen. Auf die Frage, ob sie denn auch als Erwachsene manchmal Heimweh hätte, sagte sie, dass sie tatsächlich oft Heimweh nach Vietnam hat, so lange sie in Deutschland ist. Doch wenn sie Vietnam besucht, vermisst sie ihr Zuhause in Deutschland – und dies ist wohl auch eine der Schwierigkeiten der Migration. Ein Leben zwischen zwei Welten birgt immer die Gefahr in keiner richtig zu Hause zu sein. Was man dagegen tun kann? „Am besten trifft man sich mit Freunden“ und umgibt sich mit Menschen aus der Umgebung, um eine emotionale Bindung zum Ort aufzubauen.

 


Fernweh

8.12. | 9.00 Uhr

Die Schwanenfrau
Geschichten von der „Schwanenfrau“, den „Wildgänsen“ und dem Eskimokrieger „Starker Wind“ erzählten heute vom Anderssein, der Ablehnung und Zuneigung aufgrund von Herkunft und Äußerlichkeiten. Zu Diskussionen regte besonders ein Märchen an, das von mehreren Wanderern berichtete, von denen jeder eine andere Sprache sprach und die in heftigen Streit gerieten, weil sie einander nicht verstanden. Als ein weiser Fremder ihnen klar machte, dass sie alle das selbe meinten, erkannten sie, dass sie sich nur die Mühe hätten machen müssen, sich gegenseitig zuzuhören und zu vermitteln, und niemanden wäre ein Leid geschehen. Mit ihrer Märchenstunde verzauberte die Erzählerin Heike Grützmacher die Fünftklässler der Mittelschule Radebeul so sehr, dass sie sie anschließend am liebsten in die Schule mitgenommen hätten, um noch mehr Geschichten zu hören. Als Dankeschön gab es ein kleines Ständchen auf spanisch: „Feliz navidad“ wünschten die Kinder und werden die Veranstaltung sicher weiter im Herzen tragen.

 

 

Schwanenfrau

7.12. | 11.00 Uhr

Die Donaukönigin
Die märchenhaft gekleidete Erzählerin Heike Grützmacher entführte die Fünftklässler der 62. Mittelschule in die zauberhafte Welt der Donaunixen. Diese wurden von den Menschen aufgrund ihrer grünen Haut und wegen ihrer stetig nassen Röcke vertrieben, obgleich sie ihnen nie ein Leid zugefügt hatten und friedlich waren. Seit die Nixen mit ihren leuchtend blauen Augen verschwunden sind, ist die schöne blaue Donau nur noch grau. Dies ist auch symbolisch zu verstehen, dass die Menschen ihr Umfeld trübe werden lassen, indem sie die Vielfalt und das Unbekannte verteufeln und verstoßen. Fremdenangst und Fremdenhass scheinen also so alt wie die Menschheit selbst. Denn wie eine weitere Geschichte erzählte, wurden schon zur Pharaonenzeit Juden wegen ihres Glaubens verurteilt und sogar versklavt – so wie „Joseph und seine Brüder“ aus dem alten Testament.

 


Donaukönigin

7.12. | 9.00 Uhr

Hinaus in die Ferne – Teil 2
Im zweiten Teil der Märchenreise mit Renate Raber ging es in die Türkei, nach China und nach Aserbaidschan. Besonders beeindruckt zeigten sich die Schüler und Schülerinnen der 14. Grundschule Dresden von der chinesischen „Strahlenperle“. In dem Märchen macht sich ein junger Mann auf den Weg zu einem weisen Alten, um herauszufinden, warum das Wasser im Dorfteich so trübe ist und kein Reis wächst. Auf seinem Wege trifft er drei Wanderer, die ebenfalls Fragen an den Alten haben, und verspricht, die Fragen zu stellen. Die Lösung des Rätsels erfährt er nur, indem er seine eigenen Interessen zurückstellt und für die anderen eintritt. Wie die Kinder feststellten, handelte es sich um eine Variante des deutschen Märchens vom „Teufel mit den drei goldenen Haaren“. Das anschließende Gespräch drehte sich dementsprechend um Selbstlosigkeit versus Egoismus, und darum, dass man zu Hause wie auch in der Fremde hilfsbereit sein muss, damit einem selbst geholfen wird. Den passenden Ansprechpartner für jegliche Fragen sahen die Kinder u.a. in ihren Großeltern, in den städtischen Bibliotheken, aber auch im modernen Medium Internet.

 

 

Hinaus in die Ferne

6.12. | 11.00 Uhr

Hinaus in die Ferne – Teil 1
Mit der Märchenerzählerin Renate Raber reisten die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Klotzsche hinaus in die Ferne. Drei Märchen erzählten von Fernweh, vom Verlassen einer Heimat und dem Finden einer neuen. „Das seltsamste Ding“ aus Spanien, „Die alte Hexe“ aus England und „Der Schmied und der Storch“ aus der Slowakei waren gute Beispiele für die verschiedenen Beweggründe, die die Menschen bewegen fortzugehen. In der anschließenden Diskussion wurden diese Gründe detailliert in unsere heutige Zeit übertragen. Manche Menschen verlassen ihre Heimat, weil sie keine Arbeit haben, aus Not oder Hunger, gar Krieg oder Vertreibung und politischer Verfolgung, doch manche gehen auch aus Liebe in die Fremde, um anderswo ihr Glück zu machen.

Renate Raber

6.12. | 9.00 Uhr - Auftakt des Themenschwerpunkts „Rechtsradikalismus“

Märchen von fremden Freunden
Heute Vormittag gab sich der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen, Frank Richter, die Ehre und besuchte die Sächsische Staatskanzlei, um für Dresdner Schulkinder Geschichten von Gegensätzen, Fremden und Freunden zu erzählen. Die Schülerinnen und Schüler der 101. Mittelschule ließen sich von der fesselnden Lesung verzaubern, in der der Direktor u.a. sein Lieblingsmärchen „Des Kaisers neue Kleider“ zum Besten gab. Warum aber fühlte er sich „komisch, gerade dieses Märchen vorzulesen“? Die Kinder erkannten, dass auch er zu den Offiziellen gehört hätte, die dem Kaiser in dem Märchen nicht die Wahrheit gesagt hatten. Die Moral von der Geschicht’ war also schnell ersichtlich: man soll stets seine eigene Meinung vertreten, auch wenn sie nicht mit der Meinung der anderen übereinstimmt, und nicht zu feige sein, einmal gegen den Strom zu schwimmen. Schlussendlich verabredeten die Klassen sogar ein baldiges Wiedersehen mit Herrn Richter in der Landeszentrale für Politische Bildung.

Frank Richter

2.12. | 11.00 Uhr

Wie die Christrose entstand
44 Schüler und Schülerinnen der 37. Grundschule Dresden erlebten eine Erzählstunde des Märchendichters Hans Christian Andersen und des Geschichtenerzählers Klaudio. Der „Hirte“ kam mit allerlei spannenden Märchen, Legenden und vielleicht auch einigen wahren Geschichten um den abendländisch christlichen Glauben in die Sächsische Staatskanzlei. Gemeinsam mit den Kindern wurde erörtert, wo die weihnachtlichen Traditionen und die Dinge herkommen, mit denen bei uns und anderswo zu Weihnachten geschmückt wird, wie z.B. die Christrose. Wie schon in den vergangenen (und auch in den noch folgenden) Veranstaltungen erhielt jedes Kind zur Erinnerung das Buch „Märchen für die Seele“.

Geschichtenerzähler Klaudio

2.12. | 9.00 Uhr

Die Arche Noah
Am tief verschneiten 2. Dezember reisten die Fünftklässler des Gymnasiums Plauen in die Elbmetropole Dresden, um eine Sondervorstellung des Dresdner Galli Theaters zu besuchen. Ein Krippenspiel der ungewöhnlichen Art: Das eigens für das Projekt zur „Vermittlung ethischer Werte und Sprachkompetenz durch Märchen“ erstellte Programm bezog die Kinder aktiv mit ein. Musikalisch begleitet konnten sie sich selbst als Schauspieler versuchen, die Geschichte von Jesu Geburt inszenieren und dabei allerhand Neues über die scheinbar bekannten Ereignisse der ersten Weihnachtsnacht erfahren.

Arche Noah

1.12. | 11.00 Uhr

In jedem ist ein Teil von Gott
Die SchülerInnen des Gymnasiums Dresden Klotzsche konnten ihn live erleben: den großen Hans Christian Andersen. In Gestalt des berühmtesten Märchendichters Dänemarks reflektierte der Künstler Axel Poike über den Glauben der Menschen in aller Welt, die verschiedenen Glaubensrichtungen und berichtete Anekdoten aus dem Leben des Schriftstellers. Die Geschichten von den „Roten Schuhen“ und vom „Hofhahn und dem Wetterhahn“ erzählten von den sieben Todsünden, Vergebung und die Wiederentdeckung des Glaubens und gaben den Kindern tüchtig zu denken über das Leben in der Klassengemeinschaft und in ihren Familien.

Axel Poike

1.12. | 9.00 Uhr – Auftakt des Themenschwerpunkts „Religion“

Paradies oder Schlaraffenland? Religiöse Elemente im Märchen
Der Beauftragte der Evangelischen Kirchen beim Freistaat Sachsen, Oberkirchenrat Christoph Seele nahm sich eine Stunde seiner Zeit, las die Geschichte vom „Irdischen Paradies“ und erklärte den Fünftklässlern des Förderzentrums „Am Leutewitzer Park“, was das Paradies für die Gläubigen bedeutet. „Das Paradies kann man nicht sehen, aber man glaubt fest daran. Das ist auch das Wesen des Glaubens an Gott“, so der Oberkirchenrat. Neugierig und aufgeschlossen erfragten die Kinder, welche Gotteshäuser es in Dresden gibt und erfuhren, dass die Menschen ihren Glauben nicht nur durch den Gang zur Kirche verwirklichen, sondern auch durch den Besuch bei Bedürftigen, z.B. in Krankenhäusern oder Gefängnissen, um dort seelischen Beistand zu leisten.

Oberkirchenrat Christoph Seele